Im Frühling 2025 haben wir vom Clownlabor Schweiz gemeinsam mit dem Theater der Unterdrückten Wien und dem Verein Kunstrasen (DE) die Nomadic Rebel Clown Academy erstmals in der Schweiz durchgeführt. Wir hatten das große Glück, Hilary Ramsden, Mitgründerin der CIRCA (Clandestine Insurgent Rebel Clown Army), und Robyn Hambrook, (Bristol Clown School) als Schlüsselpersonen für die Methodik unserer Rebel‑Clown‑Praxis zu gewinnen. Die Woche fand im Aare Hüsi in Belp statt und wurde von Movetia finanziert.

Gemeinsam mit zwanzig Teilnehmenden schufen wir über sieben Tage hinweg einen intensiven, verkörperten Lernraum, in dem politische Clownerie nicht nur gelehrt, sondern gemeinsam erforscht wurde – entlang der Linien von Präsenz, Subversion, kollektiver Reflexion und performativer Irritation. Von Anfang an lag ein Schwerpunkt auf dem Aufbau eines sicheren, respektvollen und humorvollen Rahmens, in dem sich alle wohlfühlen und sich in ihrer Präsenz zeigen konnten. In den ersten Tagen richtete sich der Fokus auf Verkörperung, Raumwahrnehmung und die Frage, wie clowneske Haltungen sich im öffentlichen Raum verhalten. Spaziergänge, soziale Beobachtung und clowneske Mikroaktionen bildeten dabei die Brücke zur späteren Intervention. Gleichzeitig erarbeiteten wir grundlegende Clown-Techniken: das Prinzip des „Ja, und…“, das bewusste Spiel mit Stimme (z. B. über Grumlo), Körperwahrnehmung und ein gemeinsames rhythmisches Gruppenbewusstsein.
Besonders eindrücklich war für uns das Potenzial des Bouffon-Spiels. Damit haben wir nicht nur Unterdrückungsdynamiken spielerisch erforscht und karikiert, die wir anderen zuschreiben, die «von aussen» kommen, sondern auch solche, die in und durch uns selber wirken. Das Gefühl der Scham war dabei ein eindrücklicher Wegweiser, internalisierte Verhaltenscodes und Normen sichtbar zu machen und zu transzendieren. Bouffons bieten eine grotesk-satirische Form, die nicht nur den Status quo karikiert, sondern auch darin wühlt, provoziert, infrage stellt – ein wichtiges Gegengewicht zur manchmal nur „liebenswerten“ Figur des klassischen Clowns. Im Zusammenspiel mit den spielerischen, kollektiv orientierten Praktiken von CIRCA entstand so ein Repertoire von widerständigen, politisch aufgeladenen Formen: absurd, poetisch, irritierend.
Die Arbeit verlagerte sich schrittweise aus dem Proberaum ins Feld: öffentliche Spaziergänge, improvisierte Begegnungen, clowneske Störungen im Alltag – ein Spiel mit Grenzen, Kontexten und Zuschreibungen. Höhepunkt war eine Performance im öffentlichen Raum am 1. Mai in Bern. In drei eigenständig entwickelten clownesken Formationen – als neoliberale CEOs, als Touristen (denen der Tag der Arbeit und soziale Ungleichheit egal ist) und als Polizei-Awarenessteam – griffen wir das politische Geschehen mit subversivem Humor auf. Die Aktion entstand aus der Gruppe selbst, war improvisiert, aber nicht planlos, und zeigte einmal mehr, wie stark Körper, Geste und Gruppendynamik in der Clownerie politisch wirksam werden können.

Zentral war für uns auch die tägliche Reflexion: Wie funktioniert unsere Präsenz im Raum? Welche politischen Codes rufen wir auf – bewusst oder unbewusst? Welche Effekte hat unsere Komik auf unser Gegenüber? Das Zusammenspiel von Doing – Watching – Reflecting, wie es Hilary aus der CIRCA-Praxis einbrachte, wurde zum methodischen Ankerpunkt der Woche.
Die Academy hat uns als Clownlabor Schweiz bestärkt und inspiriert, unsere eigene Praxis weiterzuentwickeln: Als Plattform für politisch engagierte Clown-Formate, als Raum für forschendes Spielen, als Netzwerk für Aktionsformen an der Schnittstelle von Theater, Aktivismus und Körperpolitik. Die Zusammenarbeit mit Hilary und Robyn wirkt weit über diese Woche hinaus – wir freuen uns auf nächste Begegnungen, vertiefende Trainings die nun alle zwei Wochen in Bern stattfinden und neue Kompliz*innenschaften im rebel clown-Feld.
Weiterführende Links:


27.April bis 02.Mai 2025 / Bern, Schweiz / Workshop
Rebel Clown Academy
Mit Hilary Ramsden und Robyn Hambrook laden wir die Gründer*innen der Nomadic Rebel Clown Academy nach Bern ein. Diese verbindet Clownerie, Aktivismus, Straßenkunst und die Politik des öffentlichen Raums. Im Workshop erforschen wir Methoden der Clownerie als eine Form des kreativen Aktivismus.

Über den Event
Rebel Clowning ist eine verkörperte Praxis, die sich auf verschiedene Praktiken stützt: Clownerie, Bouffon, physisches Theater, Tanz und Choreografie sowie Straßenperformance.
Wir trainieren die Ensemblearbeit, körperliche Ausdrucksfähigkeit und kollektive Gestaltungsfähigkeit, um damit den öffentlichen Raum zu Erforschen und darin zu Experimentieren. Die Reise von innen nach außen testet die Möglichkeiten der Clownerie, die Darstellenden und die Menschen, den Ort und die Macht, zu verändern. Unser Prozess zielt darauf ab, unsere Arbeit über das Ästhetische und Spektakuläre hinaus zu komplexeren, effektiveren und schöneren Formen kreativen Handelns zu erheben, die sich mit den politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Problemen unserer Zeit auseinandersetzen.
Workshopsprache: Englisch
Der Workshop ist eine Fortsetzung des N.A.To Projekt, welches in Zusammenarbeit mit dem Theater der Unterdrückten Wien und tYhle entstand:
Schlüsselelemente des Workshops sind:
Grundlagen der Clownerie
Methoden des Rebelclowning
Aktivistische Clownswerkzeuge und -techniken
Choreographien des Protests
Politik des öffentlichen Raums
Clowns & Macht
Clownerie als kreativer Aktivismus
An wen richtet sich dieser Workshop?
Alle, die daran interessiert sind, neue Formen des Aktivismus zu erforschen oder ihr Verständnis von Clownerie als eine Form des politischen Ausdrucks zu erweitern.
Und alle, die Humor und Lachen nutzen möchten, um die Welt zu verändern. Dieser Workshop findet Zusammen mit dem Theater der Unterdrückten Wien statt und es werden Menschen aus der Schweiz und Österreich teilnehmen.